E21 Kuh und Klima – Brauchen wir noch Wiederkäuer, Florian Leiber?

Shownotes

Rinderhaltung und Klimaschutz polarisieren wie kaum ein anderes Thema in der Landwirtschaft – und weit darüber hinaus. Das hartnäckige Bild der «Klimakiller-Kuh», die mit ihrem Methan das Klima zerstört, greift jedoch deutlich zu kurz. Ein neues Faktenblatt von FiBL und Bio Suisse zeigt, wie Wiederkäuer klug ins Ernährungssystem integriert werden können.

Wenn Kühe Gras verdauen, entsteht Methan, und dieses Gas wirkt stark auf das Klima. Trotzdem sei es irreführend, Rinderhaltung auf diesen Aspekt zu reduzieren, betont Florian Leiber, Nutztierwissenschaftler am FiBL. Entscheidend sei, wie die Tiere gehalten werden und welche Rolle sie im Gesamtsystem spielen.

Richtig eingebunden können Kühe einen wichtigen Beitrag im Ernährungssystem leisten. Das Zauberwort lautet: graslandbasierte, biologische Rindviehhaltung. Solche Tiere verwerten Gras, das der Mensch nicht direkt nutzen kann, und verwandeln es in hochwertiges Protein – in Form von Milch und Fleisch. Gleichzeitig schützen sie extensive Graslandflächen vor Verbuschung, tragen zur Erhaltung der Biodiversität bei und sorgen dafür, dass Kohlenstoff im Boden gebunden bleibt.

«All diese Leistungen würden wir verlieren, wenn wir dieses System aufgeben», sagt Florian Leiber. Eine eindimensionale Fixierung auf Methan könne deshalb zu unerwünschten Folgen in anderen Bereichen führen, etwa beim Erhalt von Ökosystemleistungen und Kulturlandschaften. Leiber fordert daher einen Systemblick statt einer simplen Emissionsrechnung pro Tier.

Wesentlich ist für ihn die Unterscheidung zwischen Rindvieh auf Grasland und Tieren im Stall, die mit viel Kraftfutter versorgt werden. Problematisch ist insbesondere Futter, das importiert wird oder auf Flächen wächst, die direkt der menschlichen Ernährung dienen könnten. Hier verschärfen sich Flächenkonkurrenz, Umweltbelastungen und Abhängigkeiten.

Das Faktenblatt versteht sich als Plädoyer für eine graslandbasierte Wiederkäuerhaltung – auf Flächen, die sich nicht für den direkten Anbau von Lebensmitteln für Menschen eignen. Dafür braucht es Anpassungen im System, so Leiber: weg von flächenintensiven, kraftfutterabhängigen Modellen. Welche Auswirkungen das auf die Tierzahlen hätte, wer nun gefordert ist zu handeln und wie das Faktenblatt in der Branche aufgenommen worden ist, erläutert Florian Leiber im Podcast ausführlich.

Host: Silvio Liechti Weitere Infos: https://www.klimalandwirtschaft.ch/ https://www.klimabauern.ch/

Das Faktenblatt «Kuh und Klima»

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